Eine Faktenprüfung nimmt jede überprüfbare Aussage eines Textes und hält sie gegen die Quelle, aus der sie stammen soll. Das ist wirksam gegen die häufigste Art von Fehler. Es ist zugleich weniger, als der Name verspricht.
Der Unterschied zwischen wahr und belegt
Geprüft wird Übereinstimmung mit einem Dokument. Ob das Dokument recht hat, steht auf einem anderen Blatt.
Vier Fälle, in denen das auseinanderfällt:
- Die Quelle ist veraltet. Der Beitragssatz im Reglement von 2019 wird korrekt wiedergegeben und ist seit der letzten Revision falsch. Die Prüfung meldet nichts.
- Die Quelle ist unvollständig. Der Text nennt die Regel, verschweigt die Ausnahme, weil die Ausnahme in einem anderen Dokument steht, das nicht gefunden wurde.
- Die Aussage ist nicht prüfbar formuliert. «Die Bearbeitung dauert in der Regel wenige Tage» hat keinen Wahrheitswert, den eine Maschine gegen ein Dokument halten könnte.
- Die Zusammenfassung verschiebt die Gewichtung. Jeder einzelne Satz stimmt, und der Gesamteindruck ist trotzdem falsch, weil die Einschränkung im dritten Absatz weggelassen wurde.
Der unangenehmste der vier Fälle
Der letzte Punkt ist der unangenehmste, weil er sich einer Satz-für-Satz-Prüfung grundsätzlich entzieht. Dagegen hilft keine bessere Prüfung, sondern nur eine Person, die den Zweck des Textes kennt. Deshalb ist unsere Reihenfolge immer dieselbe: Die Prüfungen sortieren vor und markieren Auffälliges, die Freigabe bleibt bei einem Menschen, und das Ergebnis nennt seine Quellen, damit dieser Mensch nachschauen kann, ohne selbst zu suchen.
Eine brauchbare Meldung sieht anders aus
Eine Meldung wie «eine Aussage konnte nicht belegt werden» ist unbrauchbar. Brauchbar ist eine Meldung, die die Stelle im Text markiert, die Quelle benennt, auf die sie sich stützen sollte, und den Unterschied zeigt. Erst damit wird aus einer Warnung eine Arbeitsanweisung, die in dreissig Sekunden erledigt ist statt in zehn Minuten.
Eine Mängelliste als Nebenprodukt
Nach ein paar Monaten sind die Meldungen der Faktenprüfung die beste Mängelliste für die eigenen Unterlagen, die ein Haus je hatte. Wenn dieselbe Passage immer wieder als nicht belegbar auffällt, liegt es selten am Modell, sondern daran, dass die Regelung tatsächlich nirgends sauber geschrieben steht.
Fazit: Prüfen heisst vorsortieren
Eine automatische Faktenprüfung ist eine sehr gute Assistenz und eine sehr schlechte Instanz. Wer sie als Assistenz einsetzt, spart Zeit und findet Fehler. Wer sie als Instanz einsetzt, hat die Verantwortung an eine Funktion delegiert, die den Zweck des Textes gar nicht kennt.