Der Kanton Luzern gibt sich eine KI-Strategie

Verwaltung, kantonale Schulen und Gerichte bekommen Leitplanken für den Einsatz von KI. Was in der Fachstrategie steht und was sie offenlässt.

Der Luzerner Regierungsrat hat in diesem Monat eine Fachstrategie für künstliche Intelligenz verabschiedet. Sie gilt für die Verwaltung, die kantonalen Schulen und die Gerichte. Als Entwicklungsbüro in Luzern haben wir sie mit einer einzigen Frage gelesen: Was folgt daraus für ein konkretes Vorhaben?

Was drinsteht

Die Stossrichtung ist Entlastung von Routinearbeiten, damit Zeit für die komplexen Fälle bleibt. Genannt werden Anwendungen, die wenig spektakulär und dafür alltagstauglich sind: Protokolle transkribieren, Rechtsdokumente durchsuchen, Übersetzungen. Dazu kommen Weiterbildung für die Mitarbeitenden und ein Ethikgremium mit unabhängigen Fachleuten.

Warum die unspektakuläre Auswahl die richtige ist

Wer mit Protokollen, Recherche und Übersetzung beginnt, wählt Aufgaben mit drei nützlichen Eigenschaften: Sie fallen täglich an, ihr Ergebnis wird ohnehin von einer Fachperson gelesen, und ein Fehler ist sofort sichtbar. Das ist das Gegenteil eines Prestigeprojekts und genau der Bereich, in dem ein Haus lernt, wie diese Werkzeuge sich verhalten.

Eine Strategie, die mit dem beginnt, was jeden Tag anfällt, erzeugt Erfahrung. Eine, die mit dem Leuchtturm beginnt, erzeugt eine Präsentation.

Was eine Strategie naturgemäss offenlässt

  • Datenklassen. Welche Art von Daten in welcher Anwendung vorkommen darf, steht nicht in einer Strategie, sondern muss je Vorhaben festgelegt werden.
  • Nachweis. Was protokolliert wird, wie lange es aufbewahrt wird und wer es lesen darf.
  • Modellwahl. Welche Aufgabe auf welchem Modell läuft, und was passiert, wenn ein Anbieter ausfällt oder die Preise ändert.
  • Ausstieg. In welchem Format Inhalte und Protokolle zurückkommen, wenn ein Vertrag endet.

Diese vier Punkte sind keine Kritik an der Strategie, sie sind die Arbeit, die danach kommt. Wer sie vor der ersten Beschaffung klärt, muss sie nicht im Betrieb nachholen.

Das Ethikgremium ist der interessanteste Teil

Ein unabhängiges Gremium ist nur dann mehr als eine Geste, wenn es früh etwas zu sehen bekommt, also vor der Beschaffung und nicht nach dem Pilotbetrieb. Die nützlichste Frage, die es stellen kann, ist nicht «ist das erlaubt», sondern «was passiert mit einer Person, bei der das System falsch liegt, und wie erfährt sie davon».

Fazit: Der Text ist gut, entscheidend ist die erste Ausschreibung

Strategien werden an ihrer ersten konkreten Umsetzung gemessen. Wenn in der nächsten Ausschreibung Datenklassen, Protokollpflicht, Modellwechsel und Ausstieg als Anforderungen stehen, war sie wirksam. Wenn dort «datenschutzkonformer Betrieb» steht, war sie ein Papier.