Der Schweizer KI-Anwenderverband fordert von Bund und Kantonen einen nationalen Bildungsdialog, um das Bildungssystem auf das KI-Zeitalter auszurichten. Als Haus, das Software für Bildungsinstitutionen baut, haben wir dazu eine unbequeme Meinung: Am Werkzeugangebot liegt es am wenigsten.
Das Angebot ist längst da
Schulen können heute Lektionen erzeugen lassen, Aufgaben in Dutzenden Formen stellen, Texte prüfen, Lernstände auswerten und Verwaltungsarbeit abkürzen. Das Angebot ist gross und wird täglich grösser.
Wer behauptet, es fehle an Werkzeugen, hat seit zwei Jahren nicht hingeschaut.
Drei offene Fragen, die kein Produkt löst
Drei Fragen sind offen, und keine davon löst ein Produkt:
- Was prüfen wir künftig? Solange eine Bewertung im Wesentlichen ein zu Hause geschriebenes Produkt misst, misst sie zunehmend den Zugang zu Werkzeugen. Die Antwort darauf sind andere Prüfungsformen, nicht bessere Erkennungssoftware. Das ist eine bildungspolitische Entscheidung und keine technische.
- Wer ist zuständig? Zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und Schulleitungen fehlt die Stelle, die entscheidet, welche Daten von Lernenden wohin dürfen. Heute entscheidet das faktisch jede Lehrperson für sich, mit dem Werkzeug, das sie gerade praktisch findet.
- Worauf läuft es? Wenn Schulen Personendaten von Minderjährigen bearbeiten, ist die Frage nach Betrieb und Datenhaltung keine Nebensache. Sie wird heute meist beim Einkauf beantwortet, also gar nicht.
Trotzdem lohnt sich ein Dialog
Nicht, weil daraus ein Konzept entsteht. Sondern weil die drei Fragen oben in jedem Kanton einzeln, unvollständig und mit unterschiedlichem Ergebnis beantwortet werden. Ein gemeinsamer Rahmen für Datenklassen, Prüfungsformen und Beschaffungsanforderungen würde die Arbeit von 26 Stellen zusammenführen und den Schulen etwas geben, worauf sie zeigen können.
Drei Schritte, die eine Schule selbst gehen kann
Auf den Dialog zu warten ist keine Option, weil der Unterricht jetzt stattfindet. Drei Dinge sind ohne Beschluss von oben machbar: festhalten, welche Werkzeuge im Haus tatsächlich verwendet werden, für jedes davon bestimmen, welche Daten hineindürfen, und die Prüfungsformen in einem Fach exemplarisch umstellen, statt über Erkennungsquoten zu streiten.
Wo der Nutzen heute am grössten ist
Aus unserer Arbeit mit Bildungsinstitutionen kennen wir die Stelle, an der KI sofort wirkt, und es ist nicht der Unterricht. Es ist die Arbeit rundherum: Unterlagen erstellen, Rückmeldungen formulieren, Übersetzungen, Anwesenheiten, Korrespondenz mit Eltern und Lehrbetrieben, Berichte für die Aufsicht. Wer hier Zeit gewinnt, gibt sie im besten Fall dorthin zurück, wo keine Maschine hilft, nämlich in den Kontakt mit den Lernenden.
Fazit: Die Technik ist nicht das Nadelöhr
Ein Bildungsdialog, der über Werkzeuge spricht, wird in zwei Jahren überholt sein. Einer, der Prüfungsformen, Zuständigkeit und Datenhaltung klärt, hält länger als jedes Produkt, das heute vorgeführt wird, unseres eingeschlossen.