Am 21. und 22. Juni 2027 richtet die Schweiz im Palexpo in Genf den internationalen Gipfel zur Steuerung künstlicher Intelligenz aus, federführend das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation zusammen mit dem Aussendepartement. Als Delegierte hat der Bundesrat Fabiola Gianotti eingesetzt, die frühere Generaldirektorin des CERN. Das Motto lautet «Bridging Innovation and Trust».
Der Streit dreht sich ums Geld
Der Bund plant mit rund sechs Millionen Franken, ergänzt durch Beiträge von Unternehmen. Nach Medienberichten kostete der Vorgängergipfel in Frankreich etwa das Doppelte. Entsprechend fällt die Kritik aus: zu wenig Mittel für eine seltene Gelegenheit, und in den Medien kursiert bereits das Wort «Gipfeli». Der zuständige Bundesrat steuert auf eine gemeinsame Erklärung der Teilnehmer zu und hält bei der Regulierung bewusst Abstand, er wolle die Innovation nicht abwürgen.
Beide Seiten haben recht und reden aneinander vorbei. Ein Gipfel wird nicht am Budget gemessen, sondern daran, ob das Gastland etwas vorzuweisen hat.
Die Schweiz hat mehr als eine Erklärung
Hier läuft bereits, worüber anderswo verhandelt wird. Ein offenes Sprachmodell aus ETH Zürich, EPFL und dem Höchstleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano, samt offengelegtem Trainingsmaterial. Eine Kantonsverwaltung, die damit amtliche Texte übersetzt. Ein Universitätsspital, das ein darauf aufbauendes Fachmodell erprobt. Schulen, bei denen vor jeder einzelnen Anfrage entschieden wird, ob sie das Land verlassen darf. Das ist mehr Substanz als in mancher Gipfelerklärung.
Der Prüfstein liegt nicht in Genf, sondern in Bern
Nächste Woche kommt eine Motion in den Nationalrat, die fordert, dass Bund, Kantone, Forschung und Privatwirtschaft gemeinsam eine souveräne digitale Infrastruktur aufbauen. Der Ständerat hat ihr im Frühling zugestimmt, getragen wird sie von links bis bürgerlich. Der Bundesrat lehnt sie ab.
Das ist der eigentliche Vorgang. Wer im Juni 2027 die Welt zum Thema Vertrauen einlädt und im September 2026 den Aufbau der eigenen Grundlage ablehnt, wird diese Lücke erklären müssen.
Einbringen lässt sich jetzt schon etwas
Die Vorbereitung läuft unter dem Titel «Road to Geneva»: Vorveranstaltungen und Konsultationen, offen für Verwaltungen, Unternehmen, Forschung und Zivilgesellschaft, dazu eine Sammlung von Themenvorschlägen in diesem Herbst. Dort entscheidet sich, worüber im Juni geredet wird. Vier Punkte gehören aus unserer Sicht auf die Liste:
- Datenklassen statt Standortversprechen: Welche Daten dürfen welchen Weg nehmen, und wer prüft das vor dem Aufruf?
- Umschaltbarkeit als Anforderung, damit kein Gemeinwesen an einem Anbieter hängt.
- Nachweis statt Zusicherung: protokolliert, wer welche Anfrage mit welchem Modell beantwortet hat.
- Modelle, die klein genug sind, um im eigenen Land betrieben zu werden.
Fazit: Ein Gastland wird an seinem Betrieb gemessen
Ob sechs Millionen reichen, ist die kleinere Frage. Ein Gipfel über Vertrauen in der Schweiz ist glaubwürdig, wenn hier läuft, was er verlangt. Die Gelegenheit dazu liegt nicht im Juni 2027, sondern in den Entscheiden der nächsten Monate.