Für Organisationen des öffentlichen Sektors liegt seit diesem Monat eine Entscheidungshilfe für KI-Schulungen vor. Sie kommt zur richtigen Zeit, denn in den meisten Häusern wird zuerst das Werkzeug eingeführt und danach überlegt, was die Leute dafür wissen müssen.
Die Pflicht besteht bereits
Wer in der EU KI-Systeme betreibt oder einsetzt, muss seit gut einem Jahr dafür sorgen, dass die damit befassten Personen über ausreichende Kompetenz verfügen. Diese Pflicht gilt unabhängig von der Risikoklasse und trifft auch Schweizer Stellen, sobald ihre Anwendung dort wirkt. Unabhängig davon verlangt schon das Schweizer Datenschutzrecht, dass eine Bearbeitung von den Verantwortlichen verstanden wird. Wer nicht erklären kann, was ein System tut, kann es nicht verantworten.
Vier Dinge, die Leute wirklich brauchen
Die übliche Einführung zeigt Knöpfe. Das ist der kleinste und am schnellsten veraltete Teil. Was Leute tatsächlich brauchen, sind vier andere Dinge:
- Woher eine Antwort kommt. Dass ein Modell Wahrscheinlichkeiten fortschreibt und keine Datenbank abfragt, erklärt das halbe Fehlverhalten im Alltag.
- Was hinein darf. Welche Daten in welche Anwendung gehören, an konkreten Fällen aus dem eigenen Haus, nicht als abstrakte Klassierung.
- Woran man eine faule Antwort erkennt. Fehlende Quelle, zu glatte Formulierung, Zahlen ohne Bezug, erfundene Paragraphen.
- Wer entscheidet. Dass die Freigabe bei der Person liegt und nicht beim Vorschlag, und was das im Streitfall bedeutet.
Zwei Zielgruppen, zwei Tiefen
Es braucht nicht für alle dasselbe. Wer ein Werkzeug benutzt, braucht die vier Punkte oben und eine halbe Stunde Übung an echten Fällen. Wer ein Vorhaben verantwortet, braucht zusätzlich Datenklassen, Protokollpflichten, Beschaffungsfragen und die Grenzen der Prüfungen. Alles in einem Kurs zu behandeln führt dazu, dass beide Gruppen die Hälfte nicht brauchen.
Eine Schulung Wochen vor dem Zugang verpufft, eine Schulung Wochen danach kommt zu spät, weil sich die Gewohnheiten bereits gesetzt haben.
Der beste Zeitpunkt
Am wirksamsten ist der Tag, an dem die Leute den Zugang bekommen, mit ihren eigenen Fällen, und eine kurze zweite Runde nach vier bis sechs Wochen, in der die Fragen aus dem Alltag beantwortet werden. Diese zweite Runde wird fast immer gestrichen und ist die wertvollere von beiden.
Fazit: Befähigen ist billiger als korrigieren
Ein Haus, dessen Leute wissen, wie eine Antwort entsteht, braucht weniger Regeln, weniger Kontrolle und weniger Nachbesserung. Die Schulung ist nicht der Anhang eines KI-Vorhabens, sie ist der Teil davon, der am längsten hält, weil er auch beim nächsten Werkzeug noch gilt.