Seit diesem Monat liegt Schweizer Behörden ein weiterer Leitfaden für die eigene KI-Strategie vor, erarbeitet im Verbund von Bund und Kantonen. Das ist nützlich. Nur entsteht aus einem Leitfaden noch keine Strategie, und schon gar keine, die im Betrieb trägt.
Der Teil, der in solchen Papieren gelingt
Zielbilder, Rollen, Sensibilisierung, Weiterbildung, Grundsätze wie Transparenz und Verhältnismässigkeit: Das steht drin, und es steht meist sauber drin. Wer eine Verwaltung von null abholt, bekommt damit eine gemeinsame Sprache. Das ist mehr wert, als es klingt, weil die Diskussion sonst zwischen Begeisterung und Abwehr pendelt, ohne je konkret zu werden.
Die fünf Festlegungen, die den Unterschied machen
Im Alltag scheitert es nie an den Grundsätzen, sondern an fünf konkreten Punkten, die ein Leitfaden naturgemäss offenlassen muss:
- Datenklassen. Welche Art von Daten darf in welcher Anwendung überhaupt vorkommen. Ohne diese Liste ist jede weitere Regel Auslegungssache.
- Freigabe. An welcher Stelle im Ablauf gibt eine Person frei, und wer ist diese Person, wenn sie in den Ferien ist.
- Nachweis. Was wird protokolliert, wie lange aufbewahrt, und wer darf das Protokoll lesen. Ein Protokoll, das niemand einsehen darf, ist kein Nachweis.
- Ausstieg. Was passiert mit Index, Protokollen und Konfiguration, wenn der Vertrag endet. Diese Frage gehört vor die Beschaffung, nicht danach.
- Zuständigkeit für Qualität. Wer entscheidet, ob eine Antwortqualität genügt, und woran misst diese Person das.
Organisation und Bauweise hängen zusammen
Wer eine Strategie schreibt, ohne zu wissen, was die eingesetzten Systeme können, schreibt Absichten auf.
Diese fünf Punkte klingen nach Organisation, sind aber Bauentscheidungen. Eine Anwendung, die keine Datenklassen kennt, kann sie nachträglich nicht durchsetzen. Eine Anwendung ohne Protokoll lässt sich nicht nachrüsten, wenn die Fälle von letztem Jahr belegt werden müssen.
Für Häuser, die spät dran sind
Beginnen Sie nicht mit dem Strategiepapier, sondern mit dem Verzeichnis. Welche KI-Werkzeuge sind heute im Einsatz, offiziell und inoffiziell, wer benutzt sie, wofür, und mit welchen Daten. In fast jedem Haus fördert diese Bestandsaufnahme mehr zutage als erwartet, und sie beantwortet die Hälfte der Strategiefragen von selbst, weil plötzlich konkret wird, worüber geredet wird.
Fazit: Erst zählen, dann steuern
Ein Leitfaden ersetzt keine Inventur. Die Häuser, die in zwei Jahren ruhig dastehen, sind nicht die mit dem schönsten Papier, sondern die, die heute wissen, welche Anwendung mit welchen Daten läuft und wer sie verantwortet.