Software, die in der Schweiz für Institutionen gebaut wird, muss mehrsprachig sein. Nicht als Ausbaustufe, sondern von Anfang an. Wer das nachrüstet, baut zweimal.
Drei Ebenen, die oft verwechselt werden
| Ebene | Was übersetzt wird | Wer entscheidet |
|---|---|---|
| Oberfläche | Knöpfe, Menüs, Meldungen | einmalig, zentral gepflegt |
| Inhalte | Lektionen, Reglemente, Mitteilungen | die Institution, pro Dokument |
| Gespräch | Fragen und Antworten der Nutzenden | die Person, in ihrer Sprache |
Die Oberfläche ist Fleissarbeit. Die Inhalte sind eine fachliche Entscheidung: Nicht alles muss übersetzt werden, und was übersetzt ist, braucht eine Fassung, die gilt. Das Gespräch ist der Teil, bei dem Sprachmodelle wirklich helfen, weil eine Person auf Italienisch fragen und eine Antwort aus einem deutschen Reglement bekommen kann, mit Verweis auf die deutsche Fundstelle.
Wo maschinelle Übersetzung aufhört
Eine Prüfung, ein Zeugnis und eine Verfügung sind in der Sprache verbindlich, in der sie erlassen wurden. Eine Übersetzung daneben ist eine Lesehilfe, kein Ersatz.
Diese Grenze muss im System sichtbar sein und nicht im Kleingedruckten. Bei uns tragen automatisch übersetzte Fassungen einen Hinweis und das Datum der Quelle, und die verbindliche Fassung bleibt benannt.
Die vierte Sprache und die Mundart
Rätoromanisch kommt in offenen Trainingsdaten kaum vor, entsprechend schwach sind die grossen Modelle dort. Für ein Modell, das auf Schweizer Material trainiert wurde, ist das eine der wenigen Stellen, an denen es den internationalen Anbietern strukturell überlegen ist. Ähnlich bei der gesprochenen Mundart: Wer eine Anfrage am Telefon entgegennimmt und als hochdeutschen Vermerk ablegen will, braucht ein Modell, das beide Enden kennt.
Was das für die Datenhaltung bedeutet
Eine Übersetzung ist eine Bearbeitung. Wenn ein Text Personendaten enthält, gelten für die Übersetzung dieselben Regeln wie für das Original. Das ist der unauffälligste Weg, auf dem Personendaten ein Land verlassen: nicht über die grosse Anwendung, sondern über die schnelle Übersetzung zwischendurch.
Fazit: Mehrsprachig gebaut, nicht mehrsprachig nachgerüstet
Ein System, das von Anfang an drei Sprachen trägt, kostet beim Bau etwa ein Fünftel mehr. Eines, das nachträglich mehrsprachig gemacht wird, kostet eine neue Fassung. In einem viersprachigen Land ist das keine Geschmacksfrage, sondern eine Voraussetzung dafür, überhaupt anbieten zu dürfen.