In Offerten steht meistens ein Preis pro Anfrage. Er ist die am einfachsten zu beschaffende Zahl und die am wenigsten aussagekräftige. Die Kosten eines KI-Vorhabens liegen an drei anderen Stellen.
| Posten | Wann er anfällt |
|---|---|
| Ordnung in den Unterlagen | einmal, vor dem Start, meistens der grösste |
| Einbindung in den Arbeitsweg | einmal, beim Bau |
| Prüfung und Freigabe | bei jedem einzelnen Fall |
| Rechenzeit je Anfrage | bei jedem Fall, und der kleinste Posten |
Erstens: die Unterlagen
Der grösste Posten in fast jedem Projekt ist die Arbeit an den Dokumenten. Doppelte Fassungen zusammenführen, Gültigkeit festhalten, Zuständigkeiten klären, Eingescanntes lesbar machen, Tabellen aus Anhängen herausholen. Diese Arbeit fällt einmal an, sie lässt sich nicht an ein Modell delegieren, und sie ist der Grund, warum zwei Häuser mit demselben Produkt völlig verschiedene Ergebnisse bekommen.
Die gute Nachricht: Diese Arbeit ist nicht verloren, wenn Sie das Werkzeug wechseln. Eine geordnete Wissensbasis bleibt Ihnen, ein Vertrag nicht.
Zweitens: die Einbindung in den Arbeitsweg
Eine Anwendung, die in einem eigenen Fenster lebt, wird nach sechs Wochen nicht mehr geöffnet. Nützlich wird sie dort, wo die Arbeit ohnehin stattfindet, und genau diese Einbindung kostet: Rechte übernehmen, Ergebnisse ins Zielsystem schreiben, Zuständigkeiten abbilden. Das ist klassische Softwarearbeit und hat mit KI wenig zu tun.
Drittens: die Prüfung und die Freigabe
Jede Prüfung ist eine zusätzliche Anfrage, und jede Freigabe kostet Arbeitszeit. Das ist eingepreist oder eben nicht. Wer die Prüfungen wegspart, spart am sichtbarsten Posten und bezahlt beim ersten falschen Schreiben.
Drei Massnahmen, die wirklich wirken
Drei Massnahmen wirken, und alle drei sind Einstellungen und kein Umbau:
- Aufgaben auf kleinere Modelle legen. Klassieren, Sortieren, Extrahieren und Zusammenfassen brauchen selten das teuerste Modell. Wer das misst statt zu vermuten, verschiebt oft mehr als die Hälfte der Anfragen nach unten.
- Kostengrenze je Aufgabe. Eine harte Obergrenze pro Anfrage und pro Monat verhindert, dass ein fehlerhafter Ablauf über ein Wochenende hinweg Rechenzeit verbrennt.
- Wiederholungen vermeiden. Dieselbe Frage zum selben Dokument muss nicht zweimal ein Modell beschäftigen.
Fallende Preise, steigende Rechnung
Die Preise pro Anfrage sinken seit Jahren deutlich. Die Rechnung sinkt trotzdem nicht, weil mit den Preisen die Menge steigt und weil neue Abläufe mehrere Schritte statt einer Anfrage brauchen. Wer daraus schliesst, dass man nicht messen muss, weil es ohnehin billiger wird, verwechselt den Stückpreis mit dem Verbrauch.
Fazit: Rechnen Sie in Fällen, nicht in Anfragen
Die einzige Zahl, die etwas aussagt, sind die Gesamtkosten pro erledigtem Fall, inklusive Prüfung, Freigabe und anteiliger Ordnungsarbeit. Verglichen mit dieser Zahl ist der Preis pro Anfrage ein Detail, über das erstaunlich lange gesprochen wird.