Apertus 1.5, und was daran wirklich zählt

Das Schweizer Modell ist in einer neuen Fassung erschienen, mit Bildverständnis und besserem Schlussfolgern. Das Entscheidende ist aber etwas anderes.

Ende Juli ist die neue Fassung des offenen Schweizer Sprachmodells erschienen: Apertus 1.5, entwickelt von ETH Zürich, EPFL und dem Höchstleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano. Sie versteht neu auch Bilder und schliesst besser. Das ist erfreulich. Wichtiger ist aber eine Nebenbemerkung der Verantwortlichen.

Die Nebenbemerkung

Angekündigt wurde nicht nur eine Version, sondern eine Folge: regelmässige Ausgaben, planbar, mit einem Ausblick auf eine deutlich grösser trainierte Fassung. Damit wird aus einem Forschungsergebnis eine Grundlage, auf die man bauen kann.

Ein Modell, das einmal erscheint und danach stillsteht, ist ein Demonstrationsobjekt. Ein Modell mit Fahrplan ist Infrastruktur.

Scans lesen, ohne das Land zu verlassen

Bildverständnis klingt nach Spielerei und ist im Verwaltungsalltag das Gegenteil davon. Ein grosser Teil der Unterlagen liegt als Scan vor: unterschriebene Formulare, Pläne, Tabellen aus Anhängen, Fotos von Zählerständen. Ein Modell, das im Land betrieben wird und solche Vorlagen selbst lesen kann, erspart den Umweg über einen ausländischen Dienst für genau die Dokumente, bei denen dieser Umweg am wenigsten erwünscht ist.

Drei Dinge bleiben, wie sie waren

Drei Dinge bleiben, und sie gehören in jede nüchterne Einschätzung:

  • Bei offenen, weltweiten Wissensfragen liegen die grossen internationalen Modelle weiter vorne. Wer etwas anderes behauptet, hat keinen Vergleich gemacht.
  • Ein offenes Modell muss betrieben werden. Gewichte herunterzuladen ist der einfache Teil, Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Kosten im Betrieb sind der andere.
  • Die Modellwahl bleibt eine Aufgabe pro Aufgabe. Auch ein sehr gutes Schweizer Modell ist nicht für jede Aufgabe das passende.

Offenheit zählt mehr als eine Bestenliste

Offengelegt sind nicht nur die Gewichte, sondern auch Trainingsmaterial und Vorgehen. Das erlaubt zwei Dinge, die bei geschlossenen Modellen ausgeschlossen sind: nachvollziehen, woher eine Eigenschaft kommt, und auf dieser Grundlage ein Fachmodell bauen, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Genau daraus entstehen die spezialisierten Modelle, die in engen Gebieten inzwischen besser abschneiden als Allzweckmodelle.

Der Ablauf bei jeder neuen Fassung

Eine neue Version ist kein Grund, sofort umzustellen. Bei uns läuft ein fester Ablauf: dieselben hundert echten Fälle je Aufgabe durch alt und neu, Vergleich gegen die Musterlösungen, dazu Messung von Antwortzeit und Kosten. Erst wenn die neue Fassung in einer Aufgabe besser abschneidet, wird sie dort eingetragen. Das dauert einen Tag und verhindert den häufigsten Fehler im Umgang mit Modellversionen, nämlich die Umstellung aus Begeisterung.

Fazit: Verlässlichkeit schlägt Spitzenwerte

Für eine Institution ist nicht entscheidend, welches Modell diesen Monat auf Platz eins steht, sondern welches in drei Jahren noch verfügbar, bezahlbar und im eigenen Land betreibbar ist. Eine offene Grundlage mit angekündigtem Fahrplan erfüllt diese Bedingung. Das ist der Grund, warum sie bei uns für das Persönliche gesetzt ist.