Spezialmodelle statt Grösse

In einem Universitätsspital wird ein medizinisches Modell erprobt, das auf der offenen Schweizer Grundlage aufbaut. Was daraus für andere Fachbereiche folgt.

Seit diesem Monat wird in einem Westschweizer Universitätsspital ein medizinisches Sprachmodell erprobt, das auf der offenen Schweizer Grundlage aufbaut. Interessant daran ist weniger die Medizin als das Muster: Ein offenes Basismodell, ein Fachbereich, ein spezialisiertes Ergebnis.

Spezialisierung schlägt Grösse wieder

Ein paar Jahre lang galt: Das grössere Modell gewinnt. Für offene Fragen stimmt das weiterhin. Für enge Fachbereiche mit eigener Sprache, eigenen Abkürzungen und eigenen Belegketten stimmt es immer seltener. Ein Modell, das auf Fachliteratur und Fachsprache eines Gebiets nachtrainiert wurde, macht in diesem Gebiet weniger Fehler als ein Allzweckmodell, obwohl es kleiner ist. Es ist zudem günstiger im Betrieb und lässt sich auf eigener Hardware betreiben, was bei Patientendaten, Personalakten und Schülerbeurteilungen den Unterschied zwischen «geht» und «geht nicht» ausmacht.

Drei Voraussetzungen im Fachgebiet

Nicht jede Fachrichtung eignet sich. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Eigene Fachsprache. Wo sich ein Gebiet vom Alltagsdeutsch unterscheidet, gibt es etwas zu lernen. Wo es nur um höfliche Briefe geht, nicht.
  • Verfügbares, sauberes Material. Nachtrainieren braucht Text, an dem man rechtlich und fachlich arbeiten darf. Das ist meistens die eigentliche Hürde.
  • Eine Aufgabe, die sich wiederholt. Der Aufwand lohnt sich bei tausenden gleichartigen Fällen, nicht bei einer Handvoll.

Für uns ist es ein Eintrag in der Regel

Für uns ändert sich dadurch nichts an der Architektur, sondern nur an der Auswahl. Wenn in einem Gebiet ein Fachmodell verfügbar wird, ist das ein weiterer Eintrag in der Routing-Regel: Diese Aufgabe geht neu dorthin, mit demselben Ersatzmodell wie vorher. Häuser, die sich auf ein einziges Modell festgelegt haben, müssen für denselben Schritt ein Projekt aufsetzen.

Ein Fachmodell ist nicht deshalb richtig, weil es fachlich klingt.

Die nötige Vorsicht

Gerade in sensiblen Gebieten gilt das Gegenteil: Je überzeugender die Fachsprache, desto schwerer fällt einer Leserin der Widerspruch. Die Erprobung in einem Spital läuft entsprechend begleitet und nicht im Echtbetrieb an Patienten. Dieselbe Zurückhaltung gehört in jeden anderen Bereich, in dem eine Aussage Folgen für eine Person hat.

Wie man ein Fachmodell prüft

Ein Fachmodell wird nicht am allgemeinen Eindruck gemessen, sondern an den Fällen des Gebiets. Dazu braucht es einen Satz echter Fälle mit bekannter richtiger Antwort, und zwar auch schwierige, bei denen erfahrene Fachleute unterschiedlich entscheiden. Erst der Vergleich gegen diesen Satz zeigt, ob das spezialisierte Modell im Gebiet tatsächlich besser ist als ein grosses Allzweckmodell, oder ob es nur überzeugender klingt. Diesen Satz erstellt das Fachgebiet, nicht der Lieferant.

Fazit: Passend schlägt gross

Die interessante Entwicklung ist nicht, dass Modelle grösser werden, sondern dass eine offene Grundlage dazu führt, dass Fachleute ihr eigenes Modell bauen können. Wer seine Anwendung so gebaut hat, dass die Modellwahl eine Einstellung ist, profitiert davon ohne einen einzigen Umbau.