Warum wir kein Hausmodell haben

Wir richten pro Aufgabe ein Modell ein, mit Ersatzmodell und Kostengrenze. Warum die Frage nach dem einen Hausmodell falsch gestellt ist.

Wer uns fragt, welches Sprachmodell wir einsetzen, bekommt eine Gegenfrage: für welche Aufgabe? Ein Haus, das sich auf ein einziges Modell festlegt, hat keine Entscheidung getroffen, sondern eine Abhängigkeit gekauft.

Vier Aufgaben, vier Anforderungen

In einer Anwendung, die täglich benutzt wird, stecken selten weniger als vier verschiedene Aufgaben. Eine Auskunft aus internen Unterlagen braucht vor allem Genauigkeit und Zurückhaltung. Ein Textentwurf braucht Sprachgefühl. Eine Bewertung nach festen Kriterien braucht Gleichmass über hunderte Fälle hinweg. Eine Recherche im offenen Netz braucht Aktualität. Es gibt kein Modell, das in allen vier Disziplinen gleichzeitig das beste und das günstigste ist, und es gibt keinen Grund, so zu tun als ob.

AufgabeWas sie vor allem verlangt
Auskunft aus den eigenen UnterlagenGenauigkeit und Zurückhaltung
Texte entwerfenSprachgefühl
Nach festen Kriterien bewertenGleichmass über hunderte Fälle
Recherche im offenen NetzAktualität

Fünf Angaben je Regel

Bei uns hängt an jeder Aufgabe eine kleine, lesbare Regel. Sie enthält fünf Angaben:

  • welches Modell zuständig ist
  • welches Ersatzmodell einspringt, wenn der Anbieter ausfällt
  • welche Datenklasse überhaupt übermittelt werden darf
  • was eine einzelne Anfrage höchstens kosten darf
  • wohin die Aufgabe fällt, wenn beide Modelle nicht erreichbar sind

Diese Regel ist eine Einstellung, kein Codeteil. Wer sie ändert, muss nichts neu bauen und nichts neu abnehmen.

Das Persönliche gehört in die Schweiz

Für alles Persönliche und alles mit Schweizer Bezug setzen wir auf ein Modell, das in der Schweiz entwickelt und betrieben wird. Seit dem Herbst gibt es dafür mit Apertus eine offene Grundlage aus ETH Zürich, EPFL und dem Höchstleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano, in zwei Grössen und mit offengelegtem Trainingsmaterial. Das ist nicht Heimatpflege, sondern Zuständigkeit: Ein Modell, das Schweizer Rechtsbegriffe, Wortwahl und Bildungsabschlüsse kennt, macht bei genau diesen Fragen weniger Fehler als ein Allzweckmodell, das sie aus Übersetzungen kennt.

Der Wechsel muss langweilig sein

Der eigentliche Prüfstein einer Architektur ist nicht, welches Modell heute eingestellt ist, sondern wie viel Arbeit ein Wechsel macht. Wenn ein Anbieter die Preise verdoppelt, seine Bedingungen ändert oder ein Modell abkündigt, darf das eine halbe Stunde kosten und nicht ein Quartal. Diese Eigenschaft bekommt man nicht nachträglich. Sie entsteht dadurch, dass die Anwendung nie direkt mit einem Anbieter spricht, sondern immer mit der Regel dazwischen.

Fazit: Unabhängigkeit ist eine Bauentscheidung

Ob ein Haus von einem KI-Anbieter abhängt, steht nicht in dessen Nutzungsbedingungen. Es entscheidet sich an der Stelle, an der die Anwendung festlegt, wen sie fragt. Wer diese Stelle als Einstellung baut statt als Festlegung, bleibt handlungsfähig, auch wenn sich der Markt alle paar Monate umsortiert.